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Abkömmling einer Ivenacker Eiche gepflanzt

Wohl kaum ein Besucher ahnt, welche berühmte Vorfahrin die gerade mal rund 1,80 Meter hohe Stiel-Eiche hat, die ein Team im Wildpark Völlinghausen gepflanzt hat. Denn der junge Baum stammt von der Methusalem-Eiche ab, die seit 2025 als 50. Nationalerbe-Baum Deutschlands ausgewiesen ist. Sie wächst seit rund 850 Jahren in der Nähe von Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) und ist Teil des ersten Nationalen Naturmonuments Deutschlands: den Ivenacker Eichen.

Mitgebracht hat den Baum – seinerzeit noch als Sämling – Michael Müller-Inkmann, der vor rund fünf Jahren gemeinsam mit einem Team von Fachleuten zum Gesundheitscheck in den Ivenacker Tiergarten mit seinem Hutewald und den fünf Eichen angereist war, die auch als „Tausendjährige“ bezeichnet werden.

Inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte machten sich Bodenkundler, Baumpfleger, Forstbotaniker, Baumbiologen und Baumsachverständige ehrenamtlich und mit einer Ausnahmegenehmigung daran, den massivsten der Uraltbäume und seinen Standort zu untersuchen.

„Es gab eine Handvoll Sämlinge für die Sachverständigen und meiner hat als einziger überlebt“, erzählt Michael Müller-Inkmann stolz. Der Arborist aus Ellingsen hegte den gerade mal fünf Zentimeter großen Baumnachwuchs zunächst zwei Jahre lang auf der eigenen Fensterbank, bevor er ihn – über und unter der Erde gut geschützt – ins Gemüsebeet hinter dem Haus pflanzte. Dort fühlte er sich scheinbar wohl, denn nach drei weiteren Jahren entschied der stellvertretende Vorsitzende des Wildpark-Fördervereins, dass es jetzt an der Zeit sei, den Baum wieder in ein Wildgehege zu pflanzen. Allerdings nicht in Ivenack, sondern in Völlinghausen.

Damit sich die Eiche im Wildpark rundum wohlfühlt, erhält sie die größtmögliche Hege und Pflege. „Sie wird quasi wie ein Baby betreut und wie Fort Knox behütet“, so der Baum- und Bodenexperte. „Zum Schutz vor Wühlmäusen haben wir den Wurzelballen mit einem Drahtgeflecht umwickelt und einen Zaun aufgestellt, der sie vor Schälschäden und Wildverbiss schützt.“ Im Sommer soll ein Bewässerungssack verhindern, dass die Stiel-Eiche mit ihrer besonderen Historie zu wenig Wasser bekommt.

„Jetzt heißt es ´Daumen drücken´ und hoffen, dass der Baum im Frühjahr austreibt“, sagt Michael Müller-Inkmann, der sich auch künftig intensiv um die fast zwei Meter große Eiche kümmern möchte. Denn dem Arboristen, der unter anderem das Dendrarium mit seinen außergewöhnlichen Gehölzen im Naturerlebnisraum Völlinghausen initiiert hat, ist eins klar: „Wir haben nur einen einzigen Versuch.“

Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anpflanzung bietet der Boden im Wildgehege. „Hier tummeln sich sogar deutlich mehr Regenwürmer als in dem Boden, in dem die Methusalem-Eiche steht“, freut sich der Baum- und Bodenexperte, „und das ist gut, denn eine reichhaltige Wurmfauna wirkt sich positiv auf das Leben und Überleben von Bäumen aus.“

Die Methusalem-Eiche ist mit einem Holzvolumen von etwa 140 Kubikmetern die volumenreichste Stiel-Eiche Europas. Der Stamm der Uralteiche hat einen Stammumfang von über elf Metern. Von diesen beeindruckenden Eckdaten ist der Neuzugang im Wildpark Völlinghausen noch weit entfernt. Aber dafür hat der junge Baum – so hofft das Team – auch noch einige Jahrhunderte Zeit.